Wappen Unterallgäu Unserer lieben Frau vom Berge Karmel Mussenhausen

 

 

 DEBYUAL2900  Unserer lieben Frau vom Berge Karmel Mussenhausen

 

 POI-Art: Sehenswürdigkeit, Kirche
 Besonderheit: Fresken von Johann Baptist Enderle
 Baustil: Barock/Rokoko
 Baujahr: 1671/
 Adresse: 87733 Mussenhausen, Am Kloster 2
 Geo: 47.987613, 10.435247
 Lage:

Karte

 Parken: Ortsstr.
 Bewertung: 2**  (von 5*****)
 Links:

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de.wikipedia.org/wiki/Unserer_lieben_Frau_vom_Berge_Karmel_(Mussenhausen)

 

Die Gründer der Wallfahrt zu unserer lieben Frau vom Berge Karmel in Mussenhausen waren die Brüder Philipp, Albrecht und Hans Schropp.
Nach Genesung von einer Krankheit baute der Söldner Phillipp Schropp 1649 in seinem Obstgarten eine kleine Holzkapelle und stellte darin ein von seinem Bruder Albrecht, Schuhmacher in Eutenhausen, gemaltes Ölbild der Skapuliermuttergottes auf.
Wegen der bald einsetzenden Wallfahrt wurde 1653 eine größere gemauerte Kapelle errichtet (der heutige Chor).
Bereits am 28. März 1666 konnte eine eigene Skapulierbruderschaft an der Kapelle gegründet werden, die immer noch besteht.
Nachdem auch diese Kapelle den Pilgerstrom nicht mehr aufnehmen konnte, ließ Pfarrer Martin Baur ein Langhaus an die bestehende Kapelle anfügen.
Der Grundstein zum Neubau wurde am 2. Oktober 1669 gelegt und die neue Kirche 1671 vollendet.
1675/76 erhöhte der Mindelheimer Maurermeister Thomas Natter die Chormauern und errichtete den Turm mit der Sakristei an der Südseite.
Am 25. Juli 1694 konsekrierte der Augsburger Weihbischof Johannes Eustach Egolf von Westernach die neue Kirche.
Zwischen 1751 und 1763 wurde das Innere im Rokoko-Stil umgestaltet und eine neuer Hochaltar und Kanzel angeschafft.
Eine erneute Umgestaltung fand zwischen 1862 und 1870 statt, diese wurde jedoch 1912 wieder weitgehend rückgängig gemacht.
Restaurierungen führte man von 1950 bis 1957 und von 1976 bis 1980 durch.
Schäden am Dachstuhl und an der Decke von Chor und Langhaus machten eine erneute Innenrestaurierung notwendig, die zwischen 2006 und 2009 stattfand und insgesamt etwa 420.000 Euro kostete.
Seit 1700 lebten im 1698 angebauten Klösterl Wallfahrtspriester. Auf diese folgten 1858 Kapuziner aus Altötting, die 1888 an das Klösterl einen Südtrakt anbauten. Sie versahen ihren Dienst in der Kirche bis 1984.

 

 

Die Kirche ist ein langgestreckter Bau (24 m Länge, 12 m Breite und 8 m Höhe) mit Pilastergliederung im Innern und Lisenengliederung außen am Langhaus.
Das weiträumige, niedrig wirkende Langhaus zu vier Achsen und einer Flachdecke wird durch eingezogen rundbogige Fenster gut beleuchtet.
Der etwas höhere und dadurch steiler und straffer proportioniert erscheinende Chor ist eingezogen mit einer Stichkappentonne und dreiseitigem Schluss; südlich ist ein Oratorium angebaut; der Chor hat außen Strebepfeiler in gotisierendem Stil mit doppeltem Wasserschlag.
Zwischen den beiden östlichen Strebepfeilern ist eine barocke Kapelle mit dem Kerkerheiland an die Chorwand angebaut.
Im südlichen Chorwinkel steht der stattliche, 41 m hohe Turm mit quadratischem Unterbau, kurzem Oktogon und einer Zwiebelhaube.
An die Südseite des Turms ist die Sakristei angebaut.

 

 

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Der obere Teil des heutigen Hochaltares stammt ursprünglich aus der evangelischen Kirche St. Peter und Paul in Erkheim und ist aus dem ersten Viertel des 17. Jh. Der Unterteil in Neurenaissanceformen ist modern (1955); der Tabernakel ist aus der Jesuitenkirche in Mindelheim; die beiden Figuren der hll. Augustinus und Teresa von Avila stammen noch vom alten, 1751 aufgestellten und 1870 beseitigten Rokokoaltar.
In der Mittelnische des Aufbaus befinden sich Skulpturen des Auferstandenen Christus umgeben vom Wolkenring mit Putten, zu Füßen die Apostelfürsten Petrus und Paulus; in den Seitennischen links Johannes Ev. und rechts die hl. Katharina; im Auszug Gottvater; außen Statuetten der hll. Franziskus und Antonius von Padua.
Das Chorgestühl wurde zwischen 1713 und 1720 von Hans Jakob Geiger und Andreas Hieberle für die Stadtpfarrkirche St. Stephan in Mindelheim gefertigt und kam 1862 nach Mussenhausen. An den Dorsalen des Gestühls sind je neun Ölbilder auf Holz aus der Passion Christi angebracht, darunter Embleme aus den Buch Mundus Symbolicus von Filippo Picinelli und Augustinus Erath sowie aus dem Gnaden-Gebäu, einer Sammlung der Emblemata aus der Kirche Mariä Himmelfahrt in Kirchhaslach.
Am Chorbogen stehen Figuren der hll. Sebastian (links) und Rochus (rechts), um 1700.
Die Seitenaltäre von 1676 wurden 1912 überarbeitet und 1954 neu gefasst:
links das Gnadenbild in einem goldenen Strahlenkranz "die Muttergottes mit dem Skapulier", das von Albrecht Schropp 1649 angefertigt wurde; im Auszug Gottvater;
rechts das Gemälde "Maria übergibt dem hl. Franziskus die Portiunkula-Ablassurkunde", 1753 von Joseph Mages; im Auszug König David.
Die schwungvolle Rokokokanzel von 1751 wurde 1954 nach der originalen Farbgebung in olivgrünen und rot marmorierten Tönen neu gefasst: über der Rundbogentür an der Rückwand kragt anstelle eines Schalldeckels ein gerollter Schweifgiebel mit der Heilig-Geist-Taube an seiner Spitze vor. Auf ihm sind drei Ölgemälde mit den Evangelistensymbolen angebracht: links der Stier des Lukas, in der Mitte der geflügelte Mensch für Matthäus und der Adler für Johannes, rechts der Löwe des Markus.
Im Langhaus befinden sich originelle Kreuzwegstationen, um 1760/70 von Joseph Henkel: volkstümliche, freiplastische Gruppen vor flachen Nischen mit bemaltem Hintergrund.

Am Chorscheitel sind Reste der Stuckdekoration von 1690/1700.
Der reiche wohl Wessobrunner Stuck im Chor in kräftigen Roncailleformen mit auf dem Gebälk sitzenden Putten, bez. 1756.
Im Langhaus elegante, auf ihre rahmende Funktion reduzierte Stukkaturen aus langgezogenen, dünnen Rocaillen und zarten Ranken, bez. 1763, vielleicht von Andreas Henkel; über den Schildbogen in gehäuseartigen Kartuschen sind Putten mit marianischen Symbolen angebracht.
Die hellfarbigen, fein nuancierten Fresken stammen von Johann Baptist Enderle, es ist einer der umfangreichsten Zyklen des Donauwörther Malers;
im Chor (1756): "Tempelgang Mariä", darüber Gottvater in Wolken von Engeln umgeben, seitlich vier Erdteile sowie vier Tages und Jahreszeiten;
am Chorbogen: marianische Embleme;
im Langhaus (1763): deckenfüllendes Hauptbild mit der Aufnahme Mariens in den Himmel und ihrer Krönung;
seitlich im Langhaus: Kartuschen mit zwölf Königen und Fürsten; östlich die Hll. Drei Könige (in der Mitte König Kaspar von vier Putten mit Spruchbändern umgeben, auf denen Wörter stehen, die ein Chronogramm mit der Jahreszahl 1763 bilden), südlich die hll. Ludwig (König von Frankreich), Leopold (Markgraf von Österreich) und Stephan (König von Ungarn), westlich Ezechias, König David und Josias, nördlich die hll. Ferdinand (König von Kastilien), Kaiser Heinrich II. und der polnische Fürst Casimir;
an den Wandpilastern: (in Grisaillemalerei) fünf kluge Jungfrauen mit brennenden Öllampen;
an der Emporenbrüstung: Tod und Begräbnis Mariä sowie Portraits Eutenhausener Pfarrherren, von links nach rechts: Ulrich Deschler (Erbauer der steinernen Kapelle), Martin Baur (Erbauer des Langhauses), Johann Michael Mayr (Initiator der Barockisierung), Simon Petrus Ressle (Erbauer des Priesterhauses) und Johann Jakob Schropp.